Symptome bei Migräne mit Aura

Migräne mit Aura

Etwa 30 Prozent aller Migräne-Patienten leiden zusätzlich zu den heftigen Kopfschmerzen an einer Aura. In Fachkreisen spricht man auch von der Migräne accompagnée. Accompagner ist Französisch und bedeutet „begleiten“. Unter der Aura fasst man eine Vielzahl neurologischer Symptome zusammen, die vor der Kopfschmerzphase auftreten. Für Betroffene sind diese Symptome sehr belastend.


Was sind die typischen Symptome einer Migräne mit Aura?

  1. Sehstörungen : Sehstörungen treten bei den meisten Aura-Patienten auf. Dazu gehören helle, grelle Lichtblitze, Flimmern oder das Sehen von gezackten Linien. Neben diesen zusätzlichen Erscheinungen berichten manche Patienten auch über Ausfälle im Gesichtsfeld (negatives Skotom) und können bestimmte Dinge nicht mehr sehen. In seltenen Fällen erblinden Betroffene sogar vorübergehend ganz.

  2. Kinder, die an Migräne leiden, berichten über optische Halluzinationen (positives Skotom). Sie sehen bunte Farben oder tolle Figuren, die in Wirklichkeit nicht da sind. Ärzte sprechen hier vom Alice-im-Wunderland-Syndrom.

  3. Die Sehstörungen bilden sich meist erst wieder nach ein oder zwei Tagen, dann aber vollständig, zurück.

  4. Sprachstörungen: Ein weiteres häufiges Aura-Kennzeichen sind Sprachstörungen. Die Betroffenen möchten etwas sagen, können sich aber nicht mehr zu 100% mitteilen. Ihre Stimme gehorcht ihnen nicht mehr und sie fangen an zu stottern und zu stammeln.

  5. Missempfindungen der Haut: Viele Betroffene berichten über ein Kribbeln auf der Haut, das sich so anfühlt, als würden tausende Ameisen über die Haut laufen oder eingeschlafene Gliedmaßen. Es kann auch vorkommen, dass Berührungen kaum mehr gespürt werden und sich Bereiche der Haut taub anfühlen.

  6. Schwindel: Auch vorübergehender Schwindel ist eine häufige Begleiterscheinung der Aura.

  7. Lähmungen: Während der Aura kann es auch zu Lähmungen in den Gliedmaßen kommen. Das führt dazu, dass die Betroffenen nicht mehr die volle Kontrolle über ihren Körper haben.

  8. Unwohlsein: Zu den typischen Kennzeichen der Aura gehört auch, dass sich die Patienten unwohl fühlen und merken, dass ihr Kreislauf verrückt spielt. Der Wunsch sich an einen ruhigen und dunklen Ort zurückzuziehen wird immer größer.

  9. Übelkeit: Bei manchen Betroffenen zeigt sich während der Aura auch eine große Übelkeit bis hin zum Erbrechen.


Bei den meisten Patienten dauern die Beschwerden in der Auraphase etwa 30 bis 60 Minuten und verschwinden danach wieder vollständig bzw. werden von den migränetypischen Kopfschmerzen abgelöst. Die Ursache der Aura ist nicht abschließend geklärt. Mediziner gehen aktuell davon aus, dass ein Gefäßkrampf eine vorübergehende Minderdurchblutung in verschiedenen Arealen des Gehirns auslöst.

 

Ähnliche Symptome: Wie unterscheidet sich die Aura vom Schlaganfall?


Die Symptome einer Migräne-Aura ähneln den Symptomen eines Schlaganfalls. Gerade die Sehstörungen und Sprachstörungen sowie (einseitige) Lähmungen lassen bei vielen Menschen die Alarmglocken schrillen. Eine wichtige Unterscheidungshilfe ist, dass Aura-Symptome meist schleichend beginnen und sich in ihrer Intensität steigern. Zudem „wandern“ die Aura-Symptome gerne im Körper. So bewegen sich die Lichtblitze im Gesichtsfeld und das Kribbeln wandert im ganzen Bein umher. Ein Schlaganfall hingegen tritt sehr schnell und plötzlich auf. Wer zum ersten Mal an einer Migräne mit Aura leidet und die Symptome nicht einordnen kann, sollte auf jeden Fall einen Notarzt rufen, um die Symptome abklären zu lassen. Die Experten können meist sehr schnell erkennen, worum es sich handelt. Absolute Gewissheit bringen allerdings nur bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) im Krankenhaus.


Die vier Phasen einer Migräne mit Aura

Eine Migräne mit Aura läuft klassischerweise in vier Phasen ab.

  1. Vorboten: In dieser Phase spüren Patienten, dass eine Migräne-Attacke nahen könnte. Während sich dies bei manchen Patienten eher depressiv-verstimmt anfühlt, erleben andere in dieser Phase eine besondere Leistungsfähigkeit

  2. Die Auraphase: Sie dauert etwa 30 bis 60 Minuten und es treten die beschriebenen Symptome auf.

  3. Die Schmerzphase: Die starken einseitigen Schmerzen treten ein.

  4. Die Rückbildungsphase: Oft fallen die Patienten direkt nach der Schmerzphase in einen tiefen Schlaf. Der Körper beginnt sich zu erholen und die Kopfschmerzen und die Nachwehen der Aura-Symptome bilden sich innerhalb von ein bis zwei Tagen zurück.

Sonderformen der Migräne mit Aura

Aura ohne Kopfschmerz (Migraine sans migraine)

Bei einer Migräne mit Aura folgt auf die Aura-Phase die Kopfschmerzphase. Es gibt aber auch Patienten, die nur die Symptome der Aura haben, ohne anschließend Kopfschmerzen zu bekommen. Experten nennen dies auch Augen-Migräne oder Migräne ohne Kopfschmerzen. Etwa zehn Prozent aller Aura-Patienten berichten gelegentlich über eine Aura ohne Kopfschmerzen. Eine Abklärung ist hier allerdings sinnvoll, um einen bevorstehenden Schlaganfall ausschließen zu können.


Hemiplegische Migräne


Die hemiplegische Migräne ist eine Unterform der Migräne mit Aura. Sie wird auch komplizierte Migräne genannt. Zum Glück tritt sie sehr selten, dafür aber familiär gehäuft auf. Bei der hemiplegischen Migräne kommen zu den oben genannten Symptomen einer Migräne mit Aura Einschränkungen in der Bewegungsfähigkeit. Patienten verlieren die Kontrolle über ihre Gliedmaßen und können diese nicht mehr oder nicht mehr zielgerichtet bewegen. Die Symptome halten etwa eine Stunde an und bilden sich anschließend vollständig zurück.


Basiliarismigräne


Auch die basiläre Migräne ist eine Unterform der Migräne mit Aura. Sie äußert sich durch Schmerzen am Hinterkopf und tritt gehäuft bei jungen Erwachsenen auf. Der Name geht auf die Arteria basiliaris zurück. Das ist die Arterie, die das Kleinhirn und den Hirnstamm versorgt und sich wahrscheinlich vorübergehend verkrampft. Neben den bereits bekannten Aura-Symptomen treten bei dieser Form Hörminderungen, Tinnitus, Störungen in der Koordination und Störungen des Bewusstseins auf.


Komplikation: Migränöser Infarkt


In seltenen Fällen kommt es bei der Migräne mit Aura zu einem Migranösen Infarkt. Das bedeutet, dass die Symptome der Aura länger als eine Stunde anhalten. Die geringe Durchblutung bestimmter Hirnareale während dieser Zeit kann dabei bleibende Schäden hinterlassen. Eine Diagnose erfolgt über CT oder MRT.


Welche Maßnahmen helfen bei einer akuten Migräne mit Aura?


Bei den meisten Menschen helfen bei einem akuten Migräne-Anfall vor allem Medikamente in Kombination mit Ruhe. Während der Aura-Phase ist es wichtig, dass sich der Patient nicht verletzt. Als Schmerzmittel werden vor allem nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac, Metamizol und Naproxen verwendet. Schwere Migräne lässt sich allerdings nur mit Triptanen behandeln. Gegen die weit verbreitete Übelkeit helfen Antiemetika.
Betroffene legen sich am liebsten in einen abgedunkelten Raum und ruhen sich aus, bis die Beschwerden nachlassen.


Migräne mit Aura in Kürze

  • Etwa 30% aller Migräne-Patienten leiden auch an einer Aura

  • Zu den typischen Symptomen gehören Sehstörungen, Sprachstörungen, Missempfindungen und Übelkeit

  • Wenn die Aura nachlässt, setzen die Kopfschmerzen ein

  • Alle Symptome bilden sich innerhalb von ein bis zwei Tagen nach der Attacke zurück

  • Die Migräne-Behandlung umfasst NSAR-Schmerzmittel, Triptane, Mittel gegen Übelkeit und Ruhe

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