Was sind Cluster-Kopfschmerzen?

Den Begriff Cluster-Kopfschmerzen haben die meisten Menschen wahrscheinlich schon einmal gehört, aber die Wenigsten können erklären, was wirklich dahinter steckt. In Deutschland sind etwa 70.000 Menschen betroffen. Das entspricht weniger als 0,1 % der Bevölkerung. Die Patienten sind in der Regel zwischen 30 und 40 Jahre alt, wenn die Attacken erstmalig auftreten. Cluster-Kopfschmerzen sind vor allem eine „männliche Krankheit“. Denn Männer sind dreimal so oft betroffen wie Frauen. Dieser Artikel klärt auf und beschreibt, was Cluster-Kopfschmerzen sind, was die Ursachen sind und welche Behandlungen möglich sind.


Das Krankheitsbild: Wie äußern sich Cluster-Kopfschmerzen?


Wer unter Cluster-Kopfschmerz leidet, wird immer wieder von einseitigen starken Schmerzattacken im Kopf und Gesicht heimgesucht. Betroffene beschreiben die Schmerzen als stark bis unerträglich. Die Attacken können nach einer Viertelstunde vorbei sein, können sich aber auch über drei Stunden hinziehen. Betroffene berichten, dass vor allem der Bereich hinter den Augen, die Stirn und die Schläfen vom Schmerz betroffen sind. Charakteristisch ist, dass die Betroffenen während der Attacken eine heftige innere Unruhe verspüren. Da sie nicht ruhig bleiben können, wandeln sie umher. Zudem sind Betroffene aufgrund der Schmerzen oft gereizt oder werden sogar aggressiv.


Wie wird die Diagnose gestellt?


Cluster-Kopfschmerz lässt sich mit keinem Test oder keiner Labordiagnostik einfach so nachweisen. Mediziner müssen dafür deshalb meist Ausschlussdiagnosen treffen und den Patienten ganz genau befragen. Nicht selten dauert es Jahre, bis ein Cluster-Kopfschmerz als solcher diagnostiziert wird. Im Mittel vergehen fünf Jahre, bis die Diagnose gesichert ist – ein langer Leidensweg für die Betroffenen. Denn die Attacken beeinträchtigen die Lebensqualität. Das ist gerade dann der Fall, wenn die Schmerzen nachts auftreten und die Betroffenen immer wieder aus dem Schlaf reißen.


Um die Diagnose Cluster-Kopfschmerz zu stellen, gelten folgende Kriterien

  • Mindestens fünf Attacken

  • Mindestens ein Zusatzsymptom (siehe unten)

  • Patienten beschreiben sich als unruhig und möchten sich bewegen

Die Zusatzsymptome beim Clusterkopfschmerz sind:

  • Bindehautrötung

  • Tränen der Augen

  • Anschwellen oder Laufen der Nase

  • Verengung der Pupillen

  • Schwellung oder Senkung des Oberlids

  • Schwitziges Gesicht oder Stirn


Da Symptome von Cluster-Kopfschmerzen auch bei schweren neurologischen Erkrankungen auftreten, müssen andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Es besteht eine große Verwechslungsgefahr mit der Trigeminusneuralgie oder auch mit der Migräne. Da deren Behandlung anders erfolgt, müssen diese Krankheiten klar voneinander abgegrenzt. In unklaren Fällen ordnen Ärzte bildgebende Verfahren, wie eine Kernspintomografie oder eine Computertomografie an.


Episodischer und chronischer Cluster-Kopfschmerz


Mediziner unterscheiden zwei Varianten von Cluster-Kopfschmerzen: Die episodische und die chronische Variante.


Die Mehrheit der Patienten (ca. 75 Prozent) leider unter der episodischen Variante. Dabei wechseln sich Phasen mit regelmäßigen Attacken mit schmerzfreien Phasen ab. Die schmerzfreien Phasen müssen mindestens zwei Wochen betragen. Die Phasen der Attacken können zwei bis acht Wochen betragen.


Ein Viertel der Patienten leidet unter chronischem Cluster-Kopfschmerz. Hier lassen sich keine Phasen abgrenzen, sondern die Attacken treten regelmäßig ohne größere Abstände auf. Charakteristisch ist, dass die Attacken zur gleichen Tageszeit, häufig nach dem Aufstehen oder nach dem Einschlafen, auftreten. Im Frühling und Herbst tritt Cluster-Kopfschmerz häufiger auf als zu den anderen Jahreszeiten.


Ursachenforschung: Wo liegen die Gründe für Cluster-Kopfschmerzen


Cluster-Kopfschmerzen sind für Betroffene sehr belastend. Patienten würden gerne die Ursachen ergründen und herausfinden, was die schmerzhaften Attacken auslöst. Wenn es um die Ursachenfindung geht, wird zwischen der chronischen und der episodischen Form unterschieden. Bei der episodischen Form geht man von einer Veränderung im Hypothalamus aus. Das liegt deshalb nahe, da die Schmerzen immer zu ähnlichen Zeiten auftreten und der Hypothalamus im Körper viele regulierende Funktionen übernimmt. Außerdem lassen sich die Veränderungen mithilfe von bildgebenden Verfahren darstellen. Bei der chronischen Form glauben Mediziner, dass sich eine vorübergehende Entzündung im Kopf bereits dauerhaft manifestiert hat.


Die Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen


Bei der Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen, unterscheidet man zwischen der Therapie im Akutfall und prophylaktischen Maßnahmen.


Die Akuttherapie:


Die Schmerzmittel aus der Klasse der Nichtsteroidalen Antirheumatika, die bei vielen anderen Kopfschmerzformen eingesetzt werden, sind bei Cluster-Kopfschmerzen leider wirkungslos. Bei der Akuttherapie ist Sauerstoff aktuell das Mittel der Wahl. Bei etwa 70% der Betroffenen hilft es, wenn sie reinen Sauerstoff über eine Atemmaske einatmen. Diese Therapie ist vor allem dann erfolgreich, wenn innerhalb der ersten Viertelstunde der Attacke damit begonnen wird. Wenn die Gabe von Sauerstoff nicht zur Linderung beiträgt, kommen Triptane ins Spiel. Hier verschreiben Ärzte in der Regel Sumatriptan. Die Wirkungsweise ist ähnlich wie beim Sauerstoff. Denn auch Triptane verengen die Gefäße, was zu einer Entlastung führt. Sumatriptan hemmt außerdem die Ausscheidung von Botenstoffen, die Entzündungen fördern und verhindert, dass Schmerzreize an die Großhirnrinde weitergeleitet werden. Triptane werden bei Attacken nicht in Tablettenform, sondern als Nasenspray oder als Injektion unter die Haut verabreicht.


Sind die bereits erwähnten Interventionen nicht erfolgreich, ist die dritte Möglichkeit lokale Betäubungsmittel zu geben. Lidocain als Nasenspray hat sich bei Attacken als wirksam erwiesen.


Wer unter episodischen Cluster-Kopfschmerzen leidet, kann versuchen den Attacken prophylaktisch vorzubeugen. Dabei kommen Calciumantagonisten wie Verapamil, zum Einsatz. Diese Mittel bremsen die Entzündung und können auch Schmerzen reduzieren. Zusätzlich kann die Gabe von Glucocorticoiden (z.B. Kortison) in Betracht gezogen werden, da sie schneller wirken als die Calciumantagonisten.


Wenn diese Behandlung nicht wirkt, können Lithium und Topiramat versucht werden. Hier muss allerdings eine enge Kontrolle der Blutwerte erfolgen, da sonst eine Lithiumvergiftung droht.


In schweren Fällen kann es auch zur stationären Aufnahme in einer Klinik kommen. Gerade dann, wenn die Intensität der Attacken zu Depressionen und Suizidgedanken führt, sollte über eine stationäre Unterbringung nachgedacht werden.

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